Die Palästina-Frage

Das Thema Palästina ist spätestens seit gestern wieder in den Vordergrund gerückt. Der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat dem Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN) den Antrag auf eine Vollmitgliedschaft überreicht. Damit stellten sich die Palästinenser erstmals seit Jahrzehnten vernünftig dar und nahmen eine professionelle Position ein. Israel hingegen muss sich für einen Ministerpräsidenten wie Netanyahu in [...]

Das Thema Palästina ist spätestens seit gestern wieder in den Vordergrund gerückt. Der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat dem Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN) den Antrag auf eine Vollmitgliedschaft überreicht. Damit stellten sich die Palästinenser erstmals seit Jahrzehnten vernünftig dar und nahmen eine professionelle Position ein. Israel hingegen muss sich für einen Ministerpräsidenten wie Netanyahu in Grund und Boden schämen.

Die Rede von Mahmud Abbas wirkte Staatsmännisch. Er zählte kühl und trocken das Leid der Palästinenser auf, zeichnete den Weg der Verhandlungen für einen Frieden in der Region nach und nannte den Schuldigen für das Scheitern der Verhandlungen beim Namen: Israel.

Der Konflikt zwischen Israel und Palästina ist längst nicht das was die Welt glauben möchte. Es ist nicht der Konflikt zwischen Arabern und Israelis, es ist nicht der Konflikt zwischen Muslimen und Juden sondern der Konflikt um Gerechtigkeit.

Seit der Staatsgründung und spätestens seit dem 6-Tage-Krieg leiden die Palästinenser unter der Besatzung der Israelis. Sie sind Opfer in dieser Geschichte und seit Jahrzehnten bemühen sie sich um einen Frieden mit dem Feind.

Der Feind hingegen agierte in der Vergangenheit stets vernünftig und zugegebenermaßen gerissen Schlau. Diese Zeiten sind allerdings wohl vorbei. Nach Konflikten mit der Türkei, Syrien und zuletzt Jordanien, schafft es Israel nicht einmal mehr den Palästinensern etwas entgegen zu setzen, außer Gewalt.

Dabei profitierte Israel stets davon, dass die Führung eine denkende Elite war, die nicht nur auf Gewalt setzte sondern auf vor allem auf intelligentes Handeln. Wann immer Israel angegriffen wurde, wann immer es kritisiert wurde, konnte das Land sich in Szene setzen und den Gegnern mit geschickten Worten den Kopf verdrehen.

Heute sitzen aber Leute wie Avigdor Liebermann und Benjamin Netanyahu an der Spitze der Macht. Anstatt der Wahrheit ins Auge zu sehen, halten sie an Maximalforderungen fest und versuchen von ihrem Willen keinen einzigen Zentimeter zu weichen. Was dies bedeutet, konnte man gestern schön in der Rede des israelischen Ministerpräsidenten nachlesen – eine totale Schande für das Land und die Menschen, die sich von so einem – man kann es nicht anders nennen – Deppen vertreten lassen müssen.

Es wäre besser gewesen Netanyahu hätte gestern gleich den Mund gehalten und sich mehr um Friedensverhandlungen bemüht.

Sicher haben die Palästinenser wie auch die Israelis noch eine Tür offen gelassen für solche Verhandlungen, aber wirklich daran glauben tut Niemand. Für die Zukunft muss Israel mit einem starken Auftritt der Palästinenser rechnen. Denn auch wenn sie kein Vollmitglied werden, allein die Aufwertung des Statuses wird dazu führen, dass Palästina gegen das Unrecht, dass ihm zuteil wird vor Gericht ziehen kann.

Und das scheint grundsätzlich das Ziel einer neuen intelligenten palästinensischen Führung zu sein. Nicht Mahmud Abbas scheint diese Ideen zu haben, sondern eine junge, vor allem in Europa ansässige Gruppe von Palästinensischen Akademikern und Intellektuellen.

Gestern haben wir das erste Mal das Gesicht der Arbeit dieser Generation von Palästinensern gesehen, bleibt zu hoffen, dass die Arbeit nicht gänzlich umsonst ist.

Denn bei aller Euphorie, es gibt berechtigte Kritik an dem Vorgehen von Abbas und der Palästinensischen Autonomiebehörde. Weiterhin ist beispielsweise das Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge nicht geklärt und auch gibt es Bedenken über die Abhängigkeit von Israel.

Wichtig ist aber, dass es gestern definitiv nur einen Sieger gegeben hat. Um in den Worten von Abbas in seiner Rede zu bleiben: Die Zeit ist reif. Die Zeit ist reif. Die Zeit ist reif.

24. September 2011,

Kategorie(n): Politik
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5 Antworten zu “Die Palästina-Frage”

  1. gibgasachi sagt:

    VOn Netanyahu war nichts anderes zu erwarten, aber Obama soll gefälligst seinen Nobelpreis wieder rausrücken!

    • Akif Sahin sagt:

      Ach wieso denn… Der Preis wurde ihm ja nicht für irgendwelche Leistungen gegeben, sondern einfach so… Das stand ja wohl nicht mit dem Palästina-Konflikt im Zusammenhang…

      • gibgasachi sagt:

        Das nicht, aber mittlerweile muss man Obi wohl eindeutig als Kriegsförderer bezeichenen (nicht nur wegen Palästina).

  2. Alien59 sagt:

    Dagegen. Die Gründe sind auf meinem Blog nachzulesen.
    Sorry, Akif – Abbas arbeitet mal wieder Israel in die Hände, auch wenn die laut schreien. Ein Bantustan auf 22% des palästinensischen Gebietes, mit Siedlungen zerstückelt, unregierbar, abriegelbar, erpressbar – und kein Platz für die Refugees, die er damit verkauft. Die Möglichkeit, Israel vor Gericht zu bringen? Da kann man doch nur laut lachen – seit wann interessiert sich Israel für internationales Recht?
    Nein, kein Bantustan mit Luxustiteln und Geld für Abbas und Co.

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