Sich selbst treu bleiben…

Ende 2014 habe ich meinen Job als (Online-)Redakteur bei einem kleinen Verlag in Köln an den Nagel gehängt. Die Entscheidung und der Schritt fielen mir sehr schwer, weil sie auch ein Eingeständnis waren. Ich hatte mich in der Sache festgefahren. Das wollte ich – auch mir selbst gegenüber – lange Zeit nicht eingestehen. (Übrigens gibt es zu diesem Thema einen erstklassigen Artikel auf Spiegel Online)

Ich brauchte einen Neuanfang – fern von allem was mit Islam und Muslimen zu tun hat. Fern von Verbänden und Organisationen mit einer eigenen Agenda. Einen Job, der mich herausfordert, aber mit meinem privaten Alltag wenig zu tun hat. Entsprechend habe ich mich die letzten drei Monate, während einer schmerzlich in Kauf genommenen Sperrzeit, um einen passenden Job bemüht. Die „Agentur für Arbeit“ war mir dabei genauso wenig eine Hilfe wie mein Umfeld.

Ständig musste ich hören: „Warum hast du den Job überhaupt gekündigt?“ Meinen Schritt weg von Islam, Muslimen und der Gemeinschaft wollte man nicht wirklich verstehen. Einige äußerten – auch mit Blick auf ihre eigenen Erfahrungen – unverschämt sogar die Meinung, ich hätte in der freien Wirtschaft keine Chance. Dabei hatte ich schon früher in der freien Wirtschaft gearbeitet. Die Unterstützung meiner Person und der Rückhalt für meine Entscheidung waren so gut wie gar nicht vorhanden. Freunde und Umfeld haben sich mit Mitleid und Gehässigkeit hervorgetan. Das tat mir persönlich sehr weh und es hat mich geprägt.

Redakteur und Mediengestalter

Ich habe kennenlernen dürfen was es heißt „arbeitslos“ zu sein und bin froh, dass diese kurze Phase des sozialen Abstiegs auch nur eine kurze Phase meines bisherigen Lebens geblieben ist. Heute habe ich – nach mehreren Wochen Überlegung und verschiedener Angebote – das Angebot für eine Stelle als Redakteur und Mediengestalter in Hamburg angenommen. Ich werde künftig in der Musikbranche arbeiten. Der Vertrag ist unterzeichnet und ich freue mich auf die neue Arbeit.

In den vergangenen Monaten habe ich viele Phasen durchgemacht. Selbstkritisch habe ich mein Versagen reflektiert und mich gefragt, was ich hätte anders machen können. Bei all diesen Erlebnissen, bin ich mir aber treu geblieben. Die Entscheidung für einen Neuanfang war richtig – weil sie meinen Standpunkt und meine Position klargemacht hat. Dieser Standpunkt und die Position waren nicht erwünscht. Deshalb war es auch nur konsequent zu kündigen. Ich habe schließlich Prinzipien und engagiere mich nicht für Dinge, an die ich nicht mit vollem und ganzem Herzen glaube.

Ich habe die letzten Monate aber auch genutzt, um meinen Horizont zu erweitern.  Ich habe viel gelesen, mich weitergebildet und mich mehr um meine Familie gekümmert. Von den mir lieb gewordenen Dingen, die ich mir im Laufe der Jahre angeschafft hatte, habe ich mich weitestgehend getrennt, um den finanziellen Engpass zu überbrücken. Mir wurde schmerzlich wieder ins Gedächtnis gerufen, was wirklich wichtig im Leben ist. Ein Job ist es nicht. Konsumgüter sind es auch nicht. Freunde und ein soziales Umfeld sind es auch nicht. Sie alle sind – wenn auch manchmal sehr schwer – ersetzbar.

Das Wichtigste im Leben ist aber immer noch unersetzlich: Sich selbst treu zu bleiben.