NSU-Prozess: Kreuz soll weg

Geht es nach dem Willen eines türkischen Politikers, der am Prozess-Auftakt gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) teilgenommen hat, soll das Kreuz im Gerichtssaal entfernt werden. Die Medien stürzen sich drauf, Polemiker sprechen von Muslimen, die das fördern und hilfsbereit äußern sich wieder andere Muslime in Deutschland zur Wichtigkeit des Kreuzes und warum es weiterhin hängen bleiben sollte.

Kaum wahrgenommen wird dabei, wessen Geistes Kind da eigentlich diese Forderung gestellt hat. Der Politiker Mahmut Tanal ist Mitglied der Republikanischen Volkspartei (CHP). Diese ist bis heute Schwesterpartei der SPD und maßgeblich mit einem laizistischen Selbstverständnis ausgerüstet.

Wer sich jetzt ein bisschen mit dieser Mentalität auseinandersetzt, versteht vielleicht, warum in der Türkei in den letzten Jahrzehnten auch religiöse Symbole wie das Kopftuch und religiöse Minderheiten unterdrückt worden sind. Erst langsam löst sich die Türkei von diesem schweren Erbe, während wir es in Deutschland immer noch mit Vorurteilen und auch teilweiser Unterdrückung gegenüber muslimischen Symbolen und der Religiösität von Muslimen zu tun haben.

Vielleicht fragt man sich beim nächsten Mal ob man wirklich eine Neutralität für Alle fordert (Laizismus) oder eben doch eine religiöse und pluralistische Gesellschaft anerkennt und ihre religiösen Symbole duldet und akzeptiert. Die Empörung über den türkischen Politiker ist zu Recht groß, unsere Empörung über Kopftuchverbote für Lehrerinnen in Deutschland ist aber ebenso richtig und genauso groß.

Samsung Galaxy S4

Eigentlich bin ich mit meinem iPhone 4S zufrieden gewesen. Aber privat hat es mich schon seit einiger Zeit etwas mehr in Richtung Android-Handy gezogen. Ich verkniff mir aber den Kauf und kam jetzt über meinen neuen Arbeitgeber zu meinem neuen Smartphone. Es ist nach langem hin und her dann doch ein Samsung Galaxy S4 geworden (natürlich hatte das preisliche Gründe, dazu aber weiter unten mehr).

Das Galaxy S4 wirkt vom optischen sehr Edel. Es fühlt sich in der Hand jedoch erst einmal nicht so an. Was mich begeistert ist das Display und die sehr schöne und gut durchdachte angepasste Android Version.

Filme, Bilder und Kindle-Ebooks lesen fällt mit dem Galaxy S4 sehr leicht. Das Display hat eine sehr schöne Auflösung (HD), die mir sogar besser erscheint als auf dem Retina Display auf dem iphone 4S. Die Bedienung auf dem Display fühlt sich auch anders und irgendwie besser an. Das neue Gorilla Glas 3 scheint sehr gut zu sein, nicht nur was die Stabilität angeht, sondern auch das Nutzer-Erlebnis.

Die eingebaute Kamera liefert mit 13 Megapixeln und einer hervorragenden Software sehr gute Ergebnisse. Die Bilder wirken lebhafter und sind auch bei etwas schlechter Belichtung immer noch gut zu gebrauchen. Besonders schön: Ein HDR-Modus und die Möglichkeit mehrere Bilder hintereinander zu machen um dann das beste auszusuchen.

Die vorhandenen Apps von Samsung lassen kaum etwas vermissen. Für den durchschnittlichen User sind die meisten Dingen bereits vorinstalliert und gleich nach dem Start Einsatzbereit. Bei mir mussten natürlich facebook, twitter und google+ rauf. Zusäztlich dazu gab es noch meinen Kindle-Ebook-Reader, aber ansonsten war es das auch schon… Mehr brauchte ich nicht.

Die Bedienung ist einfach und sehr intuitiv. Das System wirkt jedenfalls sehr schnell und reagiert auch entsprechend. Bisher hielt der Akku zudem volle zwei Tage (ohne Nutzung von Internet unterwegs, sogar drei) – zum Vergleich: iPhone Akku hält maximal zwei Tage bei mir.

Das einzige was ich etwas kritisch bemängeln muss ist der Überfluss an Möglichkeiten. Samsung hat eine Menge Dinge in das Galaxy S4 als Programme eingebaut und viele Funktionen sind interessant, doch das meiste braucht man eigentlich nicht im Alltag. Beispielsweise hat die Kamera mir von Anfang an gleich 8 Funktionen angeboten, von denen einige man hätte jedoch zusammenfassen können.

Wer sein Smartphone bis in die letzten Details richtig bedienen möchte, sollte sich unbedingt die gesamte Gebrauchsanleitung durchlesen.

galaxy-s4Außer diesem Gesichtspunkt ist das Galaxy S4 ein Super-Smartphone und andere Smartphones werden sich meiner Meinung nach an diesem Gerät messen lassen müssen. Das iPhone 4S oder das iPhone 5 sind jedoch kein Gegner für das Galaxy S4. Hier zeigt sich, dass die Strategie über Android völlig aufgeht. Wer mehr auf personalisierte Dinge und mehr Spielraum Wert legt, ist bei Samsung sicher.

Mein Vertrag ist übrigens von Vodafone. Eine All-Net-Flat mit 0 € Zuzahlung für das Smartphone, dass mich jetzt jeden Monat 39,99 € kostet. Allerdings bin ich auf den Preis nicht über Vodafone selbst gestoßen, sondern über einen Reseller. Einfach mal suchen, man findet viele verschiedene Angebote zum Smartphone.

Wer besonders Wert auf ein gutes Netz legt muss natürlich zur Telekom. Da kostet der ganze Spaß aber deutlich mehr, wenn es eine All-Net-Flat werden soll.

StudyDay 2013 in Hamburg

Am 18. Mai 2013 findet im Hauptgebäude der Universität Hamburg der diesjährige StudyDay 2013 statt. Mit dieser Veranstaltung sollen vor allem junge Menschen angesprochen werden, die sich für ein Studium interessieren und auch mal hören möchten, wie so ein Studium eigentlich abläuft.

Wer Fragen hat oder sich im Allgemeinen informieren möchte, ist beim StudiDay, dass sich in diesem Jahr speziell an Migranten richtet, genau richtig. Es gibt Workshops, Infostände und Beratungen für viele verschiedene Fächer. Studenten berichten von ihrem Alltag und geben Einblick in die möglichen Herausforderungen und Probleme in den jeweiligen Fächern.

Bestehende Studenten können sich zudem durch studentische Organisationen (Asta, Auslandsstudium und Stipendienprogramme) beraten lassen oder einfach mal die Arbeit dieser kennenleren. Unter den Workshop-Verantwortlichen sind auch meine Blogger-Kollegin Kübra Gümüsay und der geschätzte Dr. Ali Özgür Özdil.

Darüber hinaus wird die renommierte Ex-Politikerin und Professorin Dr. Merve Kavakçı einen Vortrag halten. Kavakçı ist heute als Dozentin an der George Washington University und an der Howard University in DC tätig. Sie gibt vor allem Kurse im Bereich „International Relations“. Außerdem ist sie Beraterin des US-Kongresses für Fragen über die muslimische Welt und Mitglied des Editorial Advisory Board der namhaften Zeitschrift Mediterranean Quarterly. Sie zählt zu den 500 einflussreichsten Muslimen weltweit und setzte sich in jüngster Zeit für eine stärkere Rolle von Frauen in muslimischen Gesellschaften ein.

Weitere Hinweise zu den angebotenen Workshops, Infoständen und den Möglichkeiten zur Beratung kann man dem Plakat für die Veranstaltung entnehmen. Eine Veranstaltungsseite auf facebook hilft zudem auch bei persönlichen Fragen und Unklarheiten weiter.

Das Projekt StudyDay wird von der Universität Hamburg, dem Universitätskolleg und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Es geht in diesem Jahr auf die Initiative von Baki Ince zurück. Das Projekt wird von den Islamischen Hochschulgemeinden Hamburg, Kiel und Lübeck mitgetragen und steht für alle Interessierten, kostenlos und ohne Anmeldung, offen.
StudyDay 2013

FAZ: Muslime selbst schuld an NSU und Rechtsextremismus

Zu meiner Schulzeit, es war in der siebten Klasse, hatte uns unsere Lehrerin aufgetragen, eine Zeitung mitzubringen und vorzustellen. Ich entschied mich damals für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Der Hintergrund war einfach: Ich mochte das konservative Profil der Zeitung, aber vor allem, dass die Texte anders waren als in BILD, Morgenpost oder dem Hamburger Abendblatt (was ich wahrscheinlich als zweites dann doch genommen hätte).

Die FAZ war für mich das, was im Alltag immer wieder über sie gesagt wurde: Eine Qualitätszeitung mit Qualitätsjournalismus dahinter.

Doch in den letzten Jahren hat sich das konservative Profil der Zeitung weiter nach Rechts entwickelt. Immer wieder lesen wir in der FAZ Texte, die denen von Hetzern aus der NS-Zeit in Nichts nachstehen. Man vergebe mir diesen Nazi-Keulen-Vergleich, aber es ist so.

Ein aktuelles Beispiel bringt aber endgültig das Fass zum Überlaufen. Ich wollte den Text eigentlich ignorieren, weil mir der Herr und seine Worte einfach am Arsch vorbeigingen, aber irgendwie nehmen sich solche Leute den Mut für solche Texte heraus, weil sie Niemand öffentich an den Pranger stellt und kritisiert.

Der Leitartikel von Jasper von Altenbockum mit dem Titel „Islamkonferenz: Zumutungen des Rechtsstaates“ ist nichts weiter als ein Freifahrtsschein für Rassismus und Islamfeindlichkeit. Mit diesem Text wird der Mord an den NSU-Opfern relativiert und es wird indirekt den Opfern die Schuld für eine menschenverachtende Gesinnung, die zu Mord und Totschlag geführt hat, gegeben.

In dem Artikel heißt es:

Warum es aber unzulässig gewesen sein soll, Sicherheitsfragen in den Vordergrund zu stellen, wie es muslimische Verbände und die SPD jetzt und schon früher kritisierten, ist angesichts des NSU-Terrors eine recht eigenartige Perspektive. Extremismus und Terror gehören zu den Gründen, warum eine Minderheit der Muslime nicht integrationswillig ist; das wiederum ist einer der Gründe für islamfeindlichen Extremismus und Terror.

Hier werden Opfer und Täter absichtlich vertauscht und Rechtsextremismus als eine Folge von Integrationsverweigerung dargestellt. Wer ein solches Weltbild hat und angesichts der mörderischen Taten der NSU zu solchen Bemerkungen kommt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Ein Blatt, dass sich als Qualitätsjournalismus-Ding verkauft hat es im Grunde nicht mehr verdient überhaupt noch erwähnt und beachtet zu werden. Ich finde die Redaktion und der Chef-Redakteur sollten sich schämen, dass sie einen solchen Artikel überhaupt mittragen und der Öffentlichkeit präsentiert haben. Es ist eine Schande. Die FAZ ist kein Qualitäts-Medium, sondern ein Hetz- und Hass-Blatt das Opfer von Rechtsextremisten und Rechtsterroristen verhöhnt. Glücklicherweise wird auch die FAZ vom Zeitungssterben irgendwann betroffen sein. Hinterher weinen werde ich ihr ganz bestimmt nicht mehr…

Leider sind aber solche Zeitungen weiterhin in der Lage das Gemüt und den Zustand von Menschen zu vergiften und Hass zu säen gegen Alles was anders ist und einem nicht ins begrenzte Weltbild passt. Es ist schade, dass sie dies unter dem Mantel der Meinungs- und Pressefreiheit tun können. Da hat man am Ende gar keine Lust mehr diese zu verteidigen, wenn dabei das rauskommt…

Akif Sahin

9. Mai 2013

Auf Bayern2 gibt es am Sonntag, den 12. Mai 2013 um ca. 16.05 Uhr in der Sendung „Eins zu Eins. Der Talk“ ein kleines persönliches Gespräch mit dem Ethnologen Jürgen Wasim Frembgen. Dieser ist als Professor für islamische Religions- und Kulturgeschichte und Leiter der Orient-Abteilung am Staatlichen Museum für Völkerkunde in München tätig. Frembgen konvertierte 1988, nach Begegnungen mit Muslimen in Afghanistan und Pakistan, zum Islam. Seinen Arbeitsschwerpunkt bilden islamische Religions- und Kulturgeschichte, insbesondere aber die islamische Mystik (Sufismus). Eine recht interessante Lebensgeschichte, die man unbedingt gehört haben sollte.

Details zur Sendung gibt es hier: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/eins-zu-eins-der-talk/juergen-wasim-frembge-ethnologe-100.html

Deutsche Islam Konferenz (DIK) – Meine Kritik

Es wird ja derzeit kein gutes Haar an der Deutschen Islam Konferenz (DIK) gelassen… an dieser Debatte, die oft von Beteiligten mit eigenen (Macht-) Interessen geschürt und gelenkt wird, möchte ich mich gar nicht wirklich beteiligen. Es sei nur kurz erwähnt, dass ich die Kritik z.T. nachvollziehen kann, z.T. aber auch für überzogen halte.

Man muss auch die Entwicklung sehen, und da sehe ich einen Innenminister der sich Mühe gibt. Das mag nicht jedem passen, aber so ist das halt… Politik ist eben kein: “Wir machen alles richtig!” Es geht auch darum da hineinzuwachsen und so langsam scheint ja Hans-Peter Friedrich (CSU) auch aus seinen Fehlern in der Vergangenheit zu lernen…

Was mir jedoch negativ aufstößt und so kaum bei der Kritik erwähnt wird, ist ein wichtiger Punkt, dessen Lösung eigentlich die meisten Probleme und auch den Geburtsfehler der Deutschen Islam Konferenz beheben könnte.

Es geht um die Frage der Transparenz. Die DIK ist ein geschlossener Kreis, in den man als Muslim und erst Recht als Betroffener keinen echten Einblick hat. Es gibt Gremien, es gibt Arbeits-Gruppen, es gibt das Plenum und all diese verschiedenen Teile machen in der Islam-Konferenz mit, und beschließen Dinge, die man als Außenstehender gar nicht richtig mitbekommt.

Einmal nach dem großen Plenum, wird dann etwas vorgesetzt und als Ergebnis der DIK präsentiert. Schön und gut, aber wie ist man zu diesem Ergebnis gekommen?

Diese Intransparenz führt auch dazu, dass hinter verschlossenen Türen und in geheimen Gesprächen Dinge geklärt und geregelt werden, die man dann als Muslim auch überrascht aufnimmt. Es gab gar keine Möglichkeit mitzureden, als einfacher Muslim, oder als Betroffener. Da sitzen dann Vertreter von Muslimen, von Staat, Einzelpersonen, Politiker und Islam-Kritiker an einem Tisch und beschließen etwas über den Kopf von Muslimen in Deutschland hinweg.

Ich finde das Problem wird an der Diskussion um den Begriff “Muslimfeindlichkeit” sehr deutlich. Ich kann damit nichts anfangen und werde weiterhin auf dem Begriff “Islamfeindlichkeit” beharren und bestehen. Gerade hier wundert mich aber sehr, dass man die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema wohl gar nicht beobachtet hat. Dort wird in aller Regel von einem “antimuslimischen Rassismus” gesprochen.

Gerade hier hätte es mich doch mehr interessiert, wie man zu bestimmten Ergebnissen gekommen ist. Viel wichtiger als das, hätte ich aber auch gerne gewusst, wie sich ein Vertreter von einem muslimischen Verband eigentlich in den Debatten positioniert hat.

Wem kann ich eigentlich in der DIK zustimmen? Wen muss ich in Zukunft für sein Verhalten und bei der Debatte um wichtige Themen des Islam in Deutschland kritisieren?

Die Intransparenz der DIK ist ihr größtes Manko. Dies ist auch der Grund für die meisten Probleme und die jetzt aufkeimende große Kritik. Interessant ist ja, dass die maßgebliche Kritik von Teilnehmern der DIK kommt. Der Innenminister weist die Kritik zurück und behauptet, die Tagesordnung sei gemeinsam auch von den Teilnehmern abgesegnet worden. Einblick in die Protokolle und Sitzungen haben die Bürger aber nicht – so kann man auch nichts überprüfen und schon gar nicht eine eigene Meinung bilden.

Das wollte ich dann mal loswerden, weil es eben nicht gesagt wird…

NSU-Prozess oder Schau-Prozess?

Am Montag begann vor dem Oberlandesgericht (OLG) München der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier weitere mutmaßliche Unterstützer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU).

Dabei konnte sich die Hauptangeklagte, dank der Medien, ziemlich gut in Szene setzen. Ein neues Outfit, neuer Haarschnitt und lächeln – das war das Rezept von Beate Zschäpe um die Medien im Saal und auch die Opfer-Angehörigen aufs Glatteis zu führen.

Anstatt über das Monster zu sprechen, dass sich jetzt im Schafspelz versteckt, sprach man über das Äußere einer schönen Frau. Man könnte es glatt als Sexismus abtun, wäre es nicht so schon traurig genug. Da half auch nicht, dass die Medien über die Brigitte ätzten, als diese einen festen Platz im Saal bekam. Sie haben sich schlimmer angestellt, als in ihren Klischees über die Brigitte deutlich wurde.

Um Inhalte ging es dann auch beim Prozess-Auftakt gar nicht mehr, sondern um Interpretation.

Was soll man auch machen, wenn man Wochenlang als Medium und Reporter darüber berichtet hat, dass die türkischen Medien keinen Platz im Saal erhalten und das Gericht unsensibel agiert habe.

Die Verteidigung hat sich zudem sehr gut auf die Richter und das Verfahren eingeschossen. Der Befangenheitsantrag hat auch hier zu Tage gebracht, was passiert, wenn man einen überforderten Richter vor ein menschliches Monster setzt.

Anders als in Norwegen, als es um Anders Behring Breivik ging, wo ein Richter das Spielchen des Mörders und Monsters nicht mitmachte, wo ein Staatsanwalt nach dem Anderen Breivik auflaufen ließ, haben wir in Deutschland einen Rechtsstaat, der Gerechtigkeit üben möchte, dabei sich aber auch erlaubt vorgeführt zu werden.

Mittendrin waren dann muslimische Vertreter, die unbedingt dabei sein wollten – warum auch immer. Und dann auch noch Stadtbekannte Neonazis. Überall Berichte darüber haben dann den Eindruck vermittelt, der bereits am Anfang entstanden war.

Die Presse ist unfähig eine Berichterstattung zu tätigen, die sich mit den Inhalten und den Taten auseinandersetzt. Sie ist unfähig eine angemessene Berichterstattung zu verfolgen.

Mir wäre es lieber gewesen, man hätte Zschäpe nicht in fast allen Medien als unschuldiges Ding präsentiert. Das man eigentlich weiß, wie das geht, zeigte sich in der Vergangenheit an zahlreichen Terror-Prozessen vor Deutschen Gerichten. Hier wurden die Angeklagten, von deren Schuld man von Anfang an überzeugt war, vorgeführt.

Die Richter haben die Angeklagten auch von Anfang an spüren lassen, worum es geht. Zschäpe blieb aber die Unberührte und Unberührbare.

Das Gericht hingegen zögert und hadert und will um keinen Umstand der Welt einen Fehler machen. Und das ist mehr Hohn und Spott an den Opfer-Familien, als die Morde an sich. Ich ahne in dieser Richtung nur noch schlimmes.

Wenn in vermutlich zwei Jahren dann ein Urteil gesprochen wird, dann kann keine Gerechtigkeit geübt werden – jedenfalls nicht mit dieser Presse und nicht mit den Samthandschuhen mit denen Zschäpe angefasst wird.

Jeder kleine miese Schläger aus einem südländischen Kulturkreis wird jedenfalls schlechter dargestellt und behandelt, als das Monster Zschäpe. Und das allein spricht Bände darüber wie man mit Terror von Rechts und Rechtsextremismus in diesem Lande umgeht. Man hat leider aus den Morden an Zehn Menschen und der Berichterstattung darüber nichts gelernt. Solche Bilder und Berichte schrecken jedenfalls nicht ab. Sie wirken wie eine Adelung…

Akif Sahin

4. Mai 2013

Wer sich mit Netzwerkplanung, Netzwerken oder sogar mit dem Google Pagerank mal auseinandergesetzt hat, sollte schon mal was vom Königsberger Brückenproblem gehört haben. Diese mathematische Aufgabe veranschaulicht übrigens als Vorlage die Grundelemente der Funktionsweise moderner Navigationssysteme wie wir sie heute in fast jedem Auto dann haben… Dem interessanten Thema widmet sich aus aktuellem Anlass übrigens das Google Blog

Klassenreisen, Schulen und Jugendamt

Ein aktueller Fall aus der Praxis hat mir heute fast die Sprache verschlagen. Es ist so unglaublich und traurig zugleich…

Ich bekam heute erneut einen Anruf von Hassan H.* Der Industriemechaniker hatte mich vor knapp zwei Monaten angerufen um in einem Fall mit der Schule seines 14jährigen Sohnes zu vermitteln.

Der junge Mann wollte nicht an der geplanten Klassenreise teilnehmen. Der Vater und die Mutter des Kindes waren dafür, dass er teilnimmt. Doch der junge Mann wollte partout nicht. Am Geld mangelte es nicht. Die Eltern sind zudem integriert und es wäre nicht die erste Klassenreise auf die sie eines ihrer Kinder schickten. Auf der anderen Seite wollte man den Jungen auch zu nichts zwingen was er nicht möchte.

Doch dann kam die Wende. Die Lehrerin des Sohnes rief bei H. an und erklärte, dass der Sohn teilnehmen müsse, ansonsten werde man das Jugendamt einschalten. H. weiß aus den Zeitungen, dass Jugendämter die Pest sein können. Bevor er jedoch etwas falsches tut und der Lehrerin und der Schule gewaltig die Leviten liest, wollte er sich Rat einholen. Er rief mich an und bat um meine Hilfe und Vermittlung

Ich habe dann das Gespräch mit dem Schüler gesucht. Festzustellen war, dass er sich in seiner Klasse zwar wohl fühlt und gemeinhin beliebt ist, aber einfach keine Lust hat mitzufahren. Konkret hat ihm das Ziel, dass für die Klassenreise ausgesucht wurde, nicht gefallen. Natürlich finde ich das nicht gut, weil gerade Klassenreisen einen sozialisierenden Charakter haben und durchaus auch die Gemeinschaft und den Zusammenhalt in einer Klasse stärken können.

Wir suchten danach gemeinsam das Gespräch mit der Lehrerin, um eine Lösung zu finden. Der junge Mann wurde von uns allen quasi dazu gezwungen, zu seinem persönlichen Wohl, an der Klassenreise teilzunehmen.

Der Lehrerin machte ich aber auch klar, dass es nicht gerade nett ist, gleich mit dem Jugendamt zu drohen, wo das Problem weniger an der Erziehung und der Sozialisation der Familie liegt, als schlichtweg dem Desinteresse des Schülers. Eine gewisse Voreingenommenheit war zu erkennen, die ich dann auch der Lehrerin gegenüber offen angesprochen habe. Bei einer Deutschen Familie hätte sie sich wahrscheinlich eine solch plumpe Drohung nicht erlaubt. Ich machte auch klar, dass der Vater sehr wohl darauf bestehen kann, dass sein Sohn nicht an einer Klassenfahrt teilnimmt, auch wenn es ihr nicht passt.

Wir wollten vor allem verhindern, dass der Junge gezielt von den Lehrkräften ausgegrenzt und eventuell auch schikaniert wird. Gleichzeitig war mir aber auch nicht wohl dabei, wenn der Junge als Einziger nicht teilnimmt. Damit könnte er auch von der Klassengemeinschaft ausgeschlossen werden.

Ich hörte dann knapp zwei Monate lang nichts mehr von beiden Seiten. Es schien sich alles gut gelöst zu haben.

Heute nun rief mich Hassan H. erneut an. Und was er mir erzählte hatte es in sich. Der Sohn fuhr zur Klassenreise und sollte dann am vergangenen Freitag von seinem Vater vom Schulgelände abgeholt werden. Doch als er sich auf den Weg zur Schule machte, erhielt er einen Anruf von einem fremden Mann. Dieser erklärte ihm, dass sein Sohn weinend an einer Autobahn-Raststätte, 90km vor Hamburg sei.

Drei Lehrkräfte und zwei Eltern, die als Aufsichtspersonen zur Klassenreise mitgefahren waren, hatten bei der letzten Raststätte den jungen Mann einfach vergessen. Sie fuhren  mit der restlichen Klasse ohne ihn nach Hause. Der Verlust des Kindes wurde selbst dann nicht bemerkt, als man an der Schule angekommen war.

Der junge Mann war knapp drei Stunden alleine auf einer Autobahn-Raststätte und heulte sich die Seele aus dem Leib. Glücklicherweise waren die Mitarbeiter an der Raststätte aufmerksam. Weil die Schule zudem ein Handy-Verbot hatte, hatte der junge keine Möglichkeit seinen Vater selbst anzurufen.

Hassan H. erhielt, während er mit seinem Auto unterwegs war um seinen Sohn von der Raststätte abzuholen, einen Anruf von der Schule. Die Lehrkraft fragte ihn am Telefon ob er denn nicht vorhabe seinen Sohn endlich abzuholen. Der Vater reagierte erregt und zornig und machte seiner Wut am Telefon Luft.

Was sich wie Realsatire anhört ist an einer Schule in Hamburg passiert. Und das, nachdem der junge Mann nicht mit zur Klassenreise wollte und nachdem die Lehrkraft dem Vater mit dem Jugendamt gedroht hat.

Zwar hat sich bereits die Schulleitung eingeschaltet und sich persönlich beim Vater für das Geschehene entschuldigt, aber Hassan H. hat mittlerweile seinen Anwalt eingeschaltet und lässt eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegenüber den Aufsicht habenden Lehrkörpern prüfen.

Er plant zudem für die Zukunft seinen Sohn nach den Sommerferien auf eine andere Schule zu schicken, eine die auch den persönlichen Bedürfnissen des Schülers mehr Raum gibt – auch dann, wenn dieser nicht unbedingt an einer blöden Klassenreise teilnehmen möchte.

* Name geändert

Ich bin alt geworden…

Und wieder ist ein Geburtstag an mir vorbeigegangen. Ich habe nicht gefeiert, bloß vor dem Fernseher gesessen und den Final-Einzug vom FC Bayern beobachtet. Selbst am Tag, an dem ich mal mich feiern sollte, schrieb ich Artikel über Andere und Geschehnisse auf der Welt und in Deutschland. Kein freier Tag während des wichtigsten Tages, den es für einen Menschen geben sollte.

In den vergangenen Jahren habe ich meine Geburtstage damit verbracht, Menschen und vor allem die Gräber meiner Freunde, die bereits unter der Erde liegen, zu besuchen. Es erinnerte mich immer daran, dass auch ich eines Tages sterben werde, und das dieser Tod urplötzlich kommen wird.

„Halte den Tod so nah wie nur möglich an dich heran“, sagte einmal ein großartiger Imam zu mir. Er hatte mir wieder einen Sinn in meinem Leben gegeben, eine Vision und Kraft für ein kritisches Denken und kritische Worte. Es war nicht meine Idee so zu schreiben, es war seine. Er hatte wohl ein Talent gesehen, von dem ich in diesen Tagen am Wenigsten überzeugt bin.

Es fällt mir immer schwerer meine Gedanken zu ordnen, meine Texte so zu gestalten, dass sie wirklich noch meine Handschrift tragen. Ich schreibe irgendwie so, wie der Rest der Welt. Es ist langweilig, es ist düster und vor allem banal.

Was mich wohl ausmacht war die Kritik und das kritische in meinen Texten. Doch dazu komme ich derzeit nicht mehr. Der Beruf hat mich eingenommen, der Alltag ist öde geworden, Freunde und Abwechslung sind auch nicht mehr da.

Was bleibt ist die Gewissheit, dass man eigentlich schon alles erlebt und gesehen hat. Einmal vielleicht in meinem Leben würde ich gerne noch New York von nahem sehen. Sonst war ich überall wo man gewesen sein muss…

Ich habe auch viel, manchmal denke ich sogar viel zu viel, in meinem Leben erlebt. Ich würde heute nicht mehr darüber trauern, wenn ich sterben würde. Es wäre nicht falsch, und es wäre sicherlich nicht zu früh. Es wäre vielleicht sogar genau der richtige Moment. Wer weiß denn schon, wie lange wir uns selbst treu bleiben? So häufig sehe ich wie die Menschen ihre eigenen Werte verkaufen… So möchte ich nicht enden…

Ich grolle nicht meinen früheren Freunden, die jetzt alle verschollen sind. Ich grolle nicht der Zeit, die mir viele Menschen genommen hat. Ich grolle nicht dem Tag, den ich kaum noch sehe. Ich grolle nicht dem Schicksal, dass meine gesamten Pläne immer wieder durcheinander wirft.

Ich grolle nur meinem Herz… Die Leidenschaft scheint erloschen… Ich bin alt geworden…